Impfung im Amateurfußball

Joshua Kimmich und seine fragliche Vorbildrolle

Die impfskeptischen Aussagen Joshua Kimmichs haben eine emotionale Debatte ausgelöst, doch vom Amateurfußball spricht wieder mal keiner. Dabei trägt der einen direkten Schaden davon. Von MICHAEL FRANKE

Es war fast ein Coming Out. Getrieben durch einen Leak der größten deutschen Boulevardzeitung offenbarte sich Joshua Kimmich als ungeimpfter Impfkritiker. Groß war das Entsetzen, zuletzt drückte Paul Breitner seine Fassungslosigkeit über Kimmich aus. Ebenso groß war der Aufschrei der politischen Großdeuter, die in Kimmich das Opfer einer angeblichen Hetzkampagne sehen.

Die Vorsitzende des Ethikrats Alena Buyx hat sich zu Kimmich geäußert, Richard David Precht philosophierte mit, Angela Merkel wurde nach ihrer Meinung gefragt. Doch über den Breitensport sprach wieder mal niemand. Dabei hat der Amateurfußball bekanntlich große Sorgen. Der Zuschauerandrang war schon vor Corona vielerorts bescheiden, inzwischen ist er eher noch zurückgegangen. Nun müssen sogar immer häufiger infektionsbedingt Spiele verlegt werden.

Daher darf durchaus diskutiert werden, ob Kimmich, der vielleicht die deutsche Nationalelf bei der Heim-EM 2024 als Kapitän anführen wird, mit seinem Gerede von möglichen Langzeitfolgen der Impfung dem Pandemiegeschehen im Amateurfußball Vorschub leistet. Es darf auch diskutiert werden, welche Verantwortung prominenten Fußballern zukommt – gerade jetzt, wo steigende Infektionszahlen und sich füllende Intensivstationen leider wieder Schlagzeilen machen und man sich fragt, ob wir zu leichtfertig im Umgang mit dem Virus geworden sind.

Natürlich steht es alleine Kimmich zu, über seine Immunisierung zu entscheiden. Dies entbindet ihn aber nicht von seiner Vorbildfunktion gegenüber Millionen Fans wie aktiven Fußballerinnen und Fußballern. Es muss ihm bewusst sein, dass er mit seiner Stellungnahme gegen die Impfung Einfluss auf die Entscheidung vieler anderer Menschen nimmt.

Und hier endet auch mein Verständnis für seine Aussage, die möglicherweise anderen Menschen indirekt massive gesundheitliche Probleme bringt. Ich würde mir wünschen, dass gerade Sportler verantwortungsvoll mit ihrer Rolle als gesellschaftliche Vorbilder umgehen. Politiker und Politikerinnen natürlich auch.

Michael Franke

Michael Franke

Michael Franke ist Erster Vorsitzender der FT München-Gern. 2018 hat er die Interessengemeinschaft Sport in München mitgegründet.

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