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Was ich vermisse, ist das Einmischen des DFB

Ich will das düstere Jahr 2020 abhaken, aber es gelingt mir nicht so recht. Wenn ich sehe, dass unsere Mitglieder keinen Sport treiben dürfen, obwohl es ja trotz Corona möglich wäre, stelle ich mir die Frage: Wie sollen wir Fußballvereine die nähere Zukunft gestalten? Von UTE GROTH

2021 hat begonnen, doch irgendwie ist 2020 noch nicht zu Ende. Ein paar Zitate und Schlagzeilen aus den letzten Tagen des Jahres klingen in mir nach:

  • Sportschau, 4. Dezember: Studie Universitätsklinikum Münster: dramatischer Bewegungseinbruch bei Kindern und Jugendlichen
  • Rheinische Post, 12. Dezember: Wen Corona einsam macht – je härter der Lockdown desto klarer eine Erkenntnis: Die Pandemie steigert das Gefühl, sozial isoliert zu leben. Überraschenderweise empfinden das vor allem junge Leute.
  • Rheinische Post, 14. Dezember: Sport spielt in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle. Er vermittelt Kindern und Erwachsenen ein Gemeinschaftsgefühl, Fairness und Teamgeist. Sportvereine wirken integrativ, motivieren und geben nicht zuletzt in Krisen Halt.
  • Düsseldorfer Anzeiger, 16. Dezember: In der Pandemie zeigt sich verstärkt, dass besonders Kinder unter den aktuellen Einschränkungen leiden: Fernunterricht, Isolation, Kontaktbeschränkungen, häusliche Quarantäne, die Sportanlagen sind zu und die Spielplätze mit Flatterband abgesperrt. Dies führt zu Konfliktsituationen zu Hause.
  • Süddeutsche Zeitung, 18. Dezember: DFB-Vizepräsident Peters attackiert Curtius
  • Süddeutsche Zeitung, 19. Dezember: DFB – Vernehmung in Frankfurt
  • Süddeutsche Zeitung, 21. Dezember: DFB – die verschwundene Selbstanzeige
  • Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember: 1.FC Nürnberg – versöhnt mit dem Seuchenjahr

Ich bin nicht versöhnt mit dem Seuchenjahr. Mir fehlt die Perspektive für die Zukunft, auch wenn es für unseren Verein strategisch, inhaltlich, finanziell sogar ein erfolgreiches Jahr gewesen ist. Der neue Kunstrasenplatz in der Kooperation mit dem Nachbarverein ist aufs Gleis gesetzt. Die Fußballer, als Hauptnutzer, haben für die 1. Frauenmannschaft das Ziel Regionalliga ausgegeben. Mit neuem Trainer und einem großzügigen Sponsor ist das ein Plan, der realisierbar ist. Die 1. Herren stellt sich unter Einbeziehung großer Teile der erfolgreichen A-Jugend neu auf. Das erste Mal seit Jahrzehnten, dass Trainer den Mut haben, der Jugend mehr zu vertrauen als geholten erfahrenen Fußballreisenden. Ziel: Festigung in der Kreisliga diese Saison, Aufstieg in die Bezirksliga in der nächsten. Es gibt viele andere Beispiele aus unseren anderen Sportabteilungen, die zeigen, dass Verein kein veraltetes Modell sind und neue Ideen Menschen ansprechen, die dann Mitglied werden.

Finanziell kommen wir gut über die Runden, auch dank Fördermitteln. Zuschauereinnahmen fehlen zwar, doch für uns sind Mitgliedsbeträge wichtiger. In der Landesliga mag das anders sein. Ein weiteres Fundament unserer Arbeit sind die Sportangebote für Kinder und Jugendliche. Laut Vereinssatzung fördert der Verein die sportliche Jugend- und Seniorenbetreuung, die Jugend- und Altenhilfe und die Erziehung. Das betrifft bei uns gut 1000 Mitglieder.

Doch was mir wirklich Sorgen macht: Wie geht es weiter in 2021?

Der Fußballkreis Düsseldorf schreibt in seinem Newsletter Dezember: „Zum heutigen Zeitpunkt wäre es unseriös, eine Prognose für den weiteren Verlauf der Saison abzugeben.“ Das ist richtig, verkürzt aber die Sichtweise auf den Sportbetrieb Mannschaftstraining und Ligabetrieb.

Was wir brauchen, ist die Möglichkeit, wie bereits am Ende des ersten Lockdown im Frühjahr 2020, die Sportanlagen zu öffnen. Das Ziel war und ist, den Mitgliedern für individuelle Sportausübung Platz zu geben. Das hat im Mai funktioniert und auch in den ersten Novembermonaten. Mitglieder haben im Familienverband ein Stück Sportanlage gebucht, womit die Nachverfolgung im Infektionsfall möglich war. So konnten sie der räumlichen Enge der Wohnung entfliehen, an der frischen Luft Sport treiben, sich auspowern und Spaß haben. Manchmal konnten sie mit Abstand Vereinskameraden zuwinken. Dann fühlt man sich nicht alleine. Ein Ausgleich für alle in schwierigen Zeiten.

Was ich vermisse, ist das vernehmbare, sichtbare, lesbare Einmischen des DFB. Mein Kollege Gerd aus Berlin sagt, der DFB sei nur der Dachverband, die Landesverbände hingegen seien für uns zuständig. Das mag formal richtig sein. Doch wie in der Politik gilt im Fußball: Ein klarer Standpunkt von oberster Stelle gäbe uns Orientierung und wäre eine klare Hilfe für die Basis. Dann wäre es leichter, das Jahr 2020 bald auch gedanklich zu beenden.

Ute Groth

Ute Groth

Ute Groth ist seit 2007 die Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf. 2019 wollte sie sich zur ersten DFB-Präsidentin wählen lassen, wurde aber zur Kandidatur nicht zugelassen.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ronald Michaelis

    Hallo Frau Groth,

    ich habe den ZDF Beitrag gelesen, in dem Sie die Situation im Amateur- und Breitensport beschreiben, ich stimme Ihnen da uneingeschränkt zu. Ich hätte mir auch mehr Unterstützung vom Profisport erwartet, aber man kann am Beispiel Bayern (Reise nach Katar und Impfstrategie) sehen, dass der kleine Fan nur Nebensache ist, das große Geld ist da wichtiger, also das Leben in der Blase geht munter weiter ohne nach rechts und links zu schauen.

    Was können wir tun, wenn die Politik unbeirrt ihre Inzidenzstrategie fortsetzt? Hier wird nicht unterschieden, wen man schützen will und wie das Ganze funktioniert, hier wird pauschaliert. Vielleicht hilft das Vorlegen klarer Konzepte beim Breitensport, ich denke, dass der (Kontakt-)Sport gar nicht das Problem ist, sondern die Gruppenbildung vor und nach dem Training/Spiel, hier können die Vereine in Verantwortung treten und dafür Sorge tragen, dass es zu keinen Gruppenbildungen kommt. Damit könnte man zumindest (wenn es wieder wärmer wird) den Trainingsbetrieb öffnen für alle Altersgruppen.

    Beste Grüße,
    Ronald Michaelis

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