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Wer Nachwuchs fördern will, sollte sich eine Teqball-Platte zulegen

Manche glauben, die Nachwuchssorgen im Fußball ließen sich mit eSports beheben. Das ist kein falscher Ansatz, doch viel wertvoller wären andere fußballbezogene Trendsportarten. Von TIM FROHWEIN

Wer über Nachwuchsprobleme im Profibereich spricht, denkt automatisch auch an die Nachwuchssorgen im Amateurfußball: Nahmen laut offiziellen DFB-Statistiken im Jahr 2015 von der G- bis einschließlich A-Jugend noch 91.961 Juniorenmannschaften am organisierten Spielbetrieb teil, waren es 2019 nur noch 84.076. Das entspricht einem Rückgang von rund 9 Prozent in vier Jahren.

Als Heilsbringer gegen die Nachwuchskrise im deutschen Fußball wird immer häufiger der eSport ins Spiel gebracht: Durch entsprechende Angebote, etwa selbstorganisierte FIFA-Turniere oder die Teilnahme an von manchen Landesverbänden eingeführten Wettbewerben, könnten Jugendliche sich von einer Mitgliedschaft in einem Fußballverein überzeugen lassen. Dass sie dadurch auch zum Sporttreiben motiviert werden könnten, wie es eSport-Befürworter behaupten – dass sie also von daddelnden zu dantelnden Mitgliedern werden –, darf allerdings bezweifelt werden.

Dennoch: Man darf als Amateurfußball-Verein diese Ausprägung der heutigen Jugendkultur nicht links liegen lassen. Millionen von fußballaffinen Jugendlichen in Deutschland spielen FIFA oder PES an der Playstation oder XBOX. Warum ihnen also nicht auch im Verein die Möglichkeit dazu geben? Wem dieser Schritt schwer fällt, sollte das Konsolespielen einfach als das neue Kartenspielen verstehen: Seit anno dazumal richten Fußballvereine Schafkopf- oder Skat-Turniere aus, seit Fritz Walter sind Vereinsheime ein Ort zum Karteln. In Zukunft müssen sie auch ein Ort zum Zocken sein.

Dass eSport großes Potenzial hat, dessen sind sich übrigens viele Vereinsvertreterinnen bewusst. In einer Umfrage, die ich mit Studierenden der Hochschule München unter mehr als 100 Vereinsfunktionären durchgeführt habe, glaubt mehr als die Hälfte, dass eSport-Angebote das gesellige Miteinander in einem Verein bereichern können. Alle Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Wer Jugendliche aber wirklich fürs Fußballspielen gewinnen will (und eFootball ist kein Fußball, darin sind wir uns einig), sollte sich mit einem anderen Teil der Jugendkultur auseinander setzen: den fußballbezogenen Trendsportarten. Futsal, Fußball-Tennis, Teqball – auch darauf steht der fußballbegeisterte Nachwuchs. Teqball hat der Ex-Weltfußballer Ronaldinho vor einigen Jahren in einem Instagram-Video bekannt gemacht. Der Sport wird ganz ähnlich wie Tischtennis auf einer Tischplatte gespielt – allerdings ist diese gewölbt und das Spielgerät ist ein Fußball. 

Wer also in die Nachwuchsförderung investieren will, sollte sich eine Teqball-Platte zulegen. Die ist gar nicht so viel teurer als eine Playstation.

 

 

 
 
 
 
 
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Protokoll: Oliver Fritsch

Tim Frohwein

Tim Frohwein

Tim Frohwein ist Soziologe und setzt sich seit über einem Jahrzehnt wissenschaftlich und journalistisch mit dem Amateurfußball auseinander. Seit bald zwanzig Jahren kickt er in den Herrenmannschaften des FC Dreistern München.

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