Warum saubere Räume, Ersatzpfeifen, Trinkwasser und kleine Gesten den Unparteiischen Respekt zeigen und Spiele entspannter machen.
Schiedsrichter stehen oft in der Kritik. Manchmal zurecht, wie Spieler und Trainer. Manchmal aber dienen sie einfach als Ventil für Frust auf den Rängen oder an der Seitenlinie. Vor allem in unteren Ligen sind sie meist allein unterwegs, ohne Assistenten, und damit eine leichte Zielscheibe.
Schon in den Sechzigern hörte man Sprüche wie „Schiedsrichter, Telefon!“, später Gesänge wie „Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht“. Dazu kommen immer wieder verbale Ausfälle. Auch ich musste schon einmal Strafe zahlen – allerdings nicht wegen Beleidigung oder Bedrohung, sondern wegen einer Einlassung über die höchst unglücklichen Ansetzung des Verbands. Leider stand der Schiedsrichterbeobachter quasi neben mir.
Skandale wie der um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer haben sich tief eingebrannt. Sein Name wurde zum Schimpfwort. Wie Spieler und Trainer Spiele verschieben können, sind auch Schiedsrichter in der Lage, zu manipulieren. Aber das sind absolute Einzelfälle, und das berüchtigte Zocker-Café King hat längst geschlossen.
Gleichwohl erläutern erfahrene Referees, wie leicht sich ein Spiel über viele 50:50-Entscheidungen beeinflussen lässt – vor allem, wenn diese immer wieder zulasten derselben Mannschaft ausfallen. Das kann Emotionen schnell zum Kochen bringen.
Umso wichtiger ist ein Gegenpol: ein respektvolles, wertschätzendes Umfeld. Das beginnt banal in der Schiedsrichterkabine. Auf manchen Sportanlagen sind diese kaum größer als fensterlose Umzugskartons. Und doch können selbst solche Räume zeigen, dass Unparteiische willkommen sind.
Unser Schiedsrichterobmann Ibo erinnert die Platzwarte regelmäßig daran, die Kabinen sauber zu halten. Neulich ging ich in diese zum Telefonieren und war gerührt. Für einen Amateurverein war sie nahezu vorbildlich ausgestattet: Ersatztrikots in drei Farben, drei Pfeifen, rote und gelbe Karten, Fahnen für Assistenten, Notizkarten, Stifte vom Ehrenamtsbüro, dazu Bonbons und Wasser, oft noch frisches Obst oder Nussriegel. Wer so empfangen wird, pfeift gleich entspannter.

Der Raum war sauber, mit offener Garderobe und abschließbarem Schrank. Der Computer für den Spielbericht funktionierte, Internetprobleme sind selbst in der Hauptstadt inzwischen selten. Wertschätzung für die Referees geht vor dem Anpfiff los.
Nicht überall sind die Bedingungen so gut, auf unserer zweiten Anlage ist es deutlich schwieriger. Zwar wurde der Platz vor vier Jahren saniert, aber in Berlin-Schilda hatte man die Kabinen für den Platz nicht mitgebaut. Sie wurden schlichtweg vergessen!
Kann vorkommen. Dem jetzigen Sportamt würde das nicht mehr passieren, gleichwohl sind die Probleme nun anderer Natur. Selbst wenn das Geld für Umbauten oder Sanierungen da ist, fehlen Personen, die planen und umsetzen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Umso mehr gilt unser Dank dem weltbesten Schiedsrichterobmann Ibo, der stets mitdenkt. Sein Leitsatz: Schiedsrichter sollen bei uns so empfangen werden, wie wir es uns für unsere eigenen wünschen, wenn sie auswärts pfeifen. Für sein Engagement – er betreut über 25 Unparteiische – erhielt er zu Recht die Ehrenamtsmedaille des Bezirks. Selten wurde ein Preis verdienter vergeben. Die Schiris würden zustimmen.
Foto von Yuval Zukerman auf Unsplash

