Politik und DOSB stellen dem Sport viel Geld in Aussicht. Doch beim Versuch, Geld für nötige Renovierungen zu beantragen, scheitern wir schon im ersten Schritt. Das ist frustrierend, weil unverständlich.

Es klang gut. „Die Bundesregierung hat Wort gehalten und wird eine Milliarde Euro für die Sanierung von Turnhallen, Schwimmbädern und Sportplätzen zur Verfügung stellen“, sagte der DOSB-Präsident Thomas Weikert im September. „Das ist der Rückenwind, den unsere Mitglieder und unsere Sportvereine, und damit unsere ganze Gesellschaft, jetzt dringend benötigen.“

Das Geld – bis zu eine Milliarde Euro bis zum Ende der Legislaturperiode 2029 – stammt aus dem Bundesanteil des Sondervermögens zur Verbesserung der Infrastruktur und soll von Vereinen und Kommunen ab August 2026 abgerufen werden können. Die Politik tut etwas für den Sport und seine Vereine. Endlich!

„Neu ist zudem, dass die Antragstellung äußerst niedrigschwellig und unbürokratisch verlaufen soll“, heißt es weiter. Davon sollen Vereine profitieren, „die meist ehrenamtlich geführt werden und die deshalb nicht über die Ressourcen verfügen, sich monatelang in mehrseitigen Anträgen mühsam um dringend benötigte finanzielle Unterstützung für ihre maroden Sportstätten zu kümmern“.

Wir, die TUSA DJK Düsseldorf, wollten uns dafür bewerben. Auf unserem Vereinsgelände müssen Gebäude renoviert oder neu gebaut werden, weil sie schlicht zu alt sind. Also haben wir Finanzierung beantragt. Weit sind wir nicht gekommen. Hier eine kleine Chronik:

  • Die Ankündigung zum Start des Förderprogrammes erhalten wir am 25. Oktober über die e-Post des Fußballverbandes.
  • Auf fussball.de heißt es Tage später: „Dein Sportplatz muss dringend saniert werden? Deine Kabinen oder der Zuschauerbereich sind völlig veraltet? Dann aufgepasst: Der Bund hat ein Förderprogramm aufgesetzt, das neue Mittel zur Modernisierung und Sanierung von Sportanlagen im Breitensport bereitstellt. Die erste Bewerbungsphase hat begonnen und läuft bis 15. Januar 2026.“
  • Unser Vorstand liest die e-Post und etliche Seiten Förderbedingungen. Im Kleingedruckten steht allerdings, dass Förderanträge nur von Kommunen eingereicht werden können und welche Bedingungen erfüllt werden müssen.
  • Am 26. Oktober stellen wir fest: Die Bedingungen erfüllen wir. Von 2020 haben wir noch eine Erklärung unserer Kommune, die die Entwicklung der Sportanlage ausdrücklich begrüßt und unterstützt. „Die Auslastung der Sportanlage beträgt 168,8 %“, steht dort wörtlich. Die Erweiterung der Freianlagen wurde 2020 beschlossen (und ist abgeschlossen). Der Bau eines neuen Sportplatzgebäudes mit Umkleiden, Mehrzweck- und Geschäftsräumen wird angestrebt.
  • 28. Oktober, der Vorstand schickt ein Schreiben an die Kommune mit der Bitte um Unterstützung bei der Antragstellung, mit Bezug auf das Schreiben von 2020.
  • 7. November: Eingang eines dreiseitigen Antwortschreibens. Auszüge daraus: „Erfahrungen aus vergangenen Programmen haben gezeigt, dass es bundesweit ein sehr großes Interesse an der Teilnahme an dem Projekt geben wird. Man kann davon ausgehen, dass dieses Projekt deutlich überzeichnet sein wird. Im Antragsverfahren ist durch die Gemeinde zunächst eine Projektskizze einzureichen. Hierzu besteht eine Frist bis zum 15. Januar 2026. Auch wenn es sich nur um eine Interessensbekundung handelt, sind hierfür bereits umfangreiche Informationen und Unterlagen erforderlich, um Erfolgsaussichten bei der Projektauswahl zu haben. Im Zuge der Abgabe ist auch ein Beschluss des Rates erforderlich. Dieser beinhaltet auch eine Bestätigung, dass die Finanzierung des Projektes durch die Antragskommune gesichert ist. Für das geplante Projekt sind im Etat derzeit noch keine Finanzierungsmittel etatisiert. Eine solche Bestätigung ist derzeit nicht möglich, sofern keine verbindliche und belastbare Bestätigung des Vereins zur gesicherten Finanzierung vorgelegt werden kann.“ Das ist Behördendeutsch und heißt: Wir brauchen es erst gar nicht versuchen.
  • 15. November, morgens um 5. Ich sitze am Schreibtisch und schreibe diese Zeilen. Der Frust ist groß. Da gibt es einen Topf voll Geld, der die Sportinfrastruktur verbessern soll. Die Förderung geht am Verein vorbei. Für die Sportanlage, schon 2020 zu 168 Prozent ausgelastet, überlastet, bleiben die Bestandsgebäude von 1955 wie sie sind. Die älteren Mitglieder kommen nicht mehr zur Jahreshauptversammlung, weil der Weg zum WC im Keller nicht zu schaffen ist. Die Risse in den Außenwänden werden größer, die Intervalle zur Beseitigung der Schimmelflecken in den Duschen kleiner.

Wir fragen uns: Welche Kommune kann innerhalb dieser Frist Projektskizzen und Finanzierungszusagen herausgeben? Werden ausgewählte Kommunen vorab informiert, um teilnehmen zu können? Warum werden bei Vereinen und ihren Mitgliedern Hoffnungen auf Verbesserungen geweckt, die mit solchen Antragsverfahren und im ersten Schritt schon niedergemacht werden? Was ist von dem Versprechen der Politik und der Sportpolitik zu halten?

Foto von Emilio Geremia auf Unsplash