Was wir von unseren Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern lernen: Konkurrenz auf dem Platz gehört dazu. Nach dem Abpfiff jedoch können Vereine kooperieren, um sich für Gegenwart und Zukunft zu rüsten. Unsere Erkenntnisse haben wir im kostenlosen Handbuch „Ehrenamt mittendrin“ gesammelt.
Beim FC Internationale Berlin gibt es bereits mehrere Arbeitsgruppen: Eine AG für Vereinskommunikation und eine für Nachhaltigkeit sind aktiv, weitere AGs für Sport, Finanzen, Verwaltung und Engagement befinden sich im Aufbau. Auch strukturell wurde der Verein modernisiert. Eine eigens gegründete Kommission hat kürzlich eine zeitgemäße Satzung erarbeitet, die von den Mitgliedern erfolgreich beschlossen wurde.
Beim Workshop, der im Dezember beim Landessportbund Berlin stattfand, berichtete eine Teilnehmerin von einem gelungenen Modell: Zwei Personen teilen sich den Vorstandsposten Finanzen, so wird Überlastung ausgeschlossen. Ein anderer Verein verteilt die Aufgaben der Jugendleitung auf mehrere Schultern. Geteilte Verantwortung entlastet nicht nur, sie stärkt den Verein.
Im Medien- und Marketingbereich heißt es: „Lieber gut kopiert als schlecht selbst erfunden.“ Oder noch direkter: „Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht.“ Übertragen auf den Sportverein bedeutet das: Austausch statt Abschottung. Warum nicht andere Vereine fragen, welche Vereinssoftware sie nutzen? Warum nicht Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit teilen oder Kalkulationen für Veranstaltungen weitergeben? Es spricht nichts dagegen, die Antwort ist einfach.

Natürlich ist Konkurrenz im Sport allgegenwärtig – oft aber mit übersteigerter Bedeutung. Das Klagen vieler Vorstände über mangelndes Engagement ließe sich reduzieren, wenn Vereine mehr miteinander reden würden.
Zu ernstgenommener Wettbewerb schadet nicht nur auf dem Spielfeld. Unterschiedliche Mitgliedsbeiträge, fragwürdige Spieleranreize oder fehlende Transparenz und Kommunikation bezüglich sportlicher Kriterien oder der Verwendung von Geldern führen dazu, dass Menschen den Verein wechseln. Zusammenarbeit hingegen schafft Stabilität.
Nach offiziellen Verbandssitzungen folgt oft die dritte Halbzeit, der informelle Austausch. Hier entstehen zwischen den Vereinsvertretern Gespräche auf Augenhöhe. Tipps werden gegeben, Kontakte geknüpft, gemeinsame Strategien verabredet.
- ein Verein kennt sich bestens mit Pass- und Meldewesen aus
- der nächste glänzt in der Öffentlichkeitsarbeit
- ein dritter hat Expertise bei Fördermitteln und Zuschüssen
Warum dieses Wissen nicht systematischer teilen?
Ein kreatives Element des Workshops war das Stilmittel „Museum“. Die Exponate reichten von einer Tafel Schokolade mit der Aufschrift „Dankeschön“ (Wertschätzung) über einen Hubschrauber (Helikopter-Eltern) bis zu einem T-Shirt mit Statler und Waldorf, den zwei älteren Herren aus der Muppet Show.
Die Assoziationen der Teilnehmenden hierzu waren eindeutig: Besserwisser, Nörgler, anstrengende Eltern, alte Meckerpötte. Gemeint war vor allem eines: der schwierige Übergang von Alt nach Jung. Viele langjährige Vorstände tun sich schwer damit, Verantwortung abzugeben. Doch ohne erfolgreichen Generationenwechsel gerät ein Sportverein langfristig in Gefahr.
Ein weiteres T-Shirt, gekauft auf einem Konzert von Udo Lindenberg, trug den Schriftzug: „Einer muss den Job ja machen.“ Es wurde klar: Das Problem ist das Wort Einer. Zu viele Aufgaben sind bei zu wenigen Personen gebündelt – meist beim 1. Vorsitzenden oder Schatzmeister. Die Lösung liegt auf der Hand: Zeit für Jobsharing und Teammodelle.
In den vergangenen zwei Jahren haben wir Workshops zur Stärkung des Ehrenamts im Sport durchgeführt. Dabei bündeln wir Expertise aus:
- Amateurfußball
- Förderung des Engagements im Sport
- Elternkommunikation
- Vereinsentwicklung
Einige unserer Erkenntnisse haben wir im Handbuch „Ehrenamt mittendrin“ gebündelt, hier zum Download. Gerne kommen wir auch zu eurem Verband oder Verein und sprechen mit euch über die Zukunft des Ehrenamts im Sportverein.
Foto von Gerd Thomas

