Es mangelt Deutschland nicht an Geld oder Leistungsbereitschaft, sondern an Mut und positiven prominenten Vorbildern, die den Sport als kulturellen Wert verteidigen.

„Was sind die größten Herausforderungen des Amateurfußballs?“, fragte mich kürzlich ein Sportjournalist. Meine spontane Antwort: „Ehrenamt – und alles, was damit zusammenhängt. Dicht gefolgt von der Sportinfrastruktur, besonders in Ballungsräumen.“

Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr reift die Erkenntnis, es gibt ein noch viel größeres Problem. Das Ehrenamt ist das Herzstück des Vereinslebens. Ohne engagierte Menschen keine Teams, ohne Teams keine Mitglieder, ohne Mitglieder kein Verein. Wo früher Begeisterung herrschte, macht sich heute Erschöpfung breit. Die Bürokratie wächst,
Anforderungen steigen, die Digitalisierung überfordert viele.

Die Wertschätzung? Fehlt meist. Kein Wunder, dass viele aufhören. So dreht sich die Abwärtsspirale: weniger Trainer, weniger Kinder, weniger Zukunft. Bezüglich der Infrastruktur verweise ich auf die frustrierende Bestandsaufnahme der Sportverbände.

Schaut man auf den Sport in Deutschland, fehlt inzwischen etwas Grundsätzliches: Stolz und Freude. Nach jedem großen Sportevent dasselbe Ritual: zu wenig Medaillen für zu hohe Kosten, angeblich keine Leistungskultur. Und dann noch abgehängt vom kleinen Norwegen. Das Ergebnis: Resignation und Schuldzuweisungen.

Sport wirkt hierzulande mehr wie ein Problemfall als wie ein Glücksfall. Selbst im Verein spürt man das: Statt Euphorie dominiert bei vielen die Sorge, wie Trainingsbetrieb, Finanzen und Verwaltung bewältigt werden sollen. Vereinsarbeit ist vielerorts zur Last geworden. Der Sport, einst Inbegriff von Freude, scheint zur Dauerbaustelle zu verkommen.

Zudem ist im Profifußball die Langeweile institutionalisiert: Der Meister steht schon vor der Saison fest. Wettbewerb? War einmal. Die deutsche Nationalmannschaft taugt schon lange nicht mehr als Vorbild, kaum jemand traut ihr bei der WM etwas zu – sofern diese nicht schon vorher im Chaos von Trump und Infantino versinkt.

Wir sollten diesen Trend umkehren, aber wie? Der Breitensport muss endlich zur politischen Querschnittsaufgabe werden, er gehört in die Mitte der Gesellschaft. Nicht mit Sonntagsreden, sondern mit echter Unterstützung – finanziell, infrastrukturell und gesellschaftlich. Müssen wir eigentlich immer noch die Errungenschaften um die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, um Zusammenhalt und Gemeinschaft betonen? Braucht es tatsächlich noch Hinweise, dass der Sport demokratische Grundwerte unterstützt?

Wir brauchen eine Bewegung der Sportbegeisterten. Es braucht prominente Fürsprecher, die sich klar positionieren. „Anwälte“ für den Breitensport, nicht zuletzt für die Kinder und Jugendlichen. Prominente und einflussreiche Menschen, die sich offensiv für diese einsetzen: Gesichter aus Sport, Politik, Kultur, öffentlichem Leben. Philipp Lahm tut das bei seinem Heimatverein FT Gern in München, indem er selbst eine Jugendmannschaft trainiert. Doch solche Vorbilder sind rar.

Wir brauchen eine Bewegung, die:

  • den Breitensport wieder attraktiv macht,
  • bessere Bedingungen fordert,
  • Lust auf Engagement weckt – bei jungen wie älteren Menschen.

Geld ist mehr als genug in unserem Land vorhanden, auch wenn es schlecht verteilt ist. Woran es mangelt, sind Wille, Mut und Begeisterung. Und an Menschen, die den Sport als kulturellen Wert begreifen. So lange der Amateursport wirkt, als würde er maximal den Notstand verwalten, wird sich das Image nicht verbessern.

Eltern wissen, was ihre Kinder daran haben, im Verein Fußball zu spielen. Nicht nur hin und wieder eine Pause vom Smartphone, sondern auch Freundschaften, Freude, Leidenschaft und die Übernahme von Verantwortung und Verpflichtung im Team. Eine Schule fürs Leben und den Zusammenhalt. Doch in der Öffentlichkeit dominiert das Bild der Überforderung – als sei Sport mehr Bürde als Bereicherung. Deutschland hat die Freude am Sport verloren. Es ist höchste Zeit, das zu ändern.

Der nächste Schritt: Die Hartplatzhelden-Konferenz, unsere zweite, findet am 22. Mai in Berlin statt. Sie wird dem Amateurfußball die Stimme geben, die er verdient. Mit dem Motto: „Demokratie beginnt im Verein!“ Seid wieder dabei und werdet Teil der Bewegung, die den Sport zurück ins Herz der Gesellschaft holt.