Kolumne Michael Franke

Der FC Bayern lässt sich was einfallen

Es ist nicht gut, wenn Kinder in zu jungem Alter zu einem großen Verein wechseln. Der FC Bayern reagiert nun und gründet Förderkader. Das ist gut, aber alle Probleme lösen sie nicht. Von MICHAEL FRANKE

Die Probleme des Scoutings und viel zu früher Vereinswechsel habe ich an dieser Stelle schon diskutiert. Studien zeigen, dass vor allem bei Kindern unter 14 keine seriöse Einschätzung des Entwicklungspotentials möglich ist. Ein großer Teil ausselektierter Kinder leidet letztlich unter klinisch nachweisbaren psychischen Problemen.

Der FC Bayern zieht nun aus den Erkenntnissen erste Konsequenzen. Er bildet Förderkader. Das bedeutet, dass der FC Bayern zukünftig keine Mannschaften der Altersstufen U7 bis U10 mehr haben wird. Spielerinnen dieser Altersstufen werden zwar gescoutet und in den Förderkader
eingeladen. Dies bedeutet aber, dass sie weiterhin bei ihrem Heimatverein trainieren und spielen sowie zusätzlich ein Training pro Woche im regionalen Förderkader des FC Bayern absolvieren. Damit erhoffen sich die Verantwortlichen des FC Bayern einen frühen Zugriff auf Talente der Region, ohne jedoch die negativen Nebeneffekte zu erzeugen.

Der Umstand, dass dann keine Spiele mehr im Trikot des FC Bayern erfolgen, führt dazu, dass der Erfolgsdruck für den Verein entfällt. Dafür kann mehr Energie in die Entwicklung der Spieler gesteckt werden. Und es könnten auch talentierte retardierte Spielerinnen Berücksichtigung finden. Zudem garantiert der FC Bayern eine Mindestverweildauer im Förderkader von sechs Monaten.

Also alles super, oder?

Ich versuche mal die positiven, aber auch die kritischen Aspekte dieses Konzepts herauszuarbeiten:

Positiv

  1)    Spieler bleiben bis einschließlich der U10 im Stammverein. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler im Fall der negativen Selektion den Heimatverein verlässt, vermutlich deutlich sinkt.
  2)    Negative Effekte des frühen Wechsels, wie beispielsweise lange Fahrtwege, der Verlust sozialer Kontakte, massiver Erfolgsdruck in Spielen entfallen bis zur U11.
  3)    Spielerinnen profitieren von einem qualifizierten Zusatztraining.

Negativ

  1)    Der Selektionsdruck bleibt grundsätzlich erhalten, da der Förderkader die Vorstufe zur U11 darstellt. Die garantierte Mindestverweildauer von sechs Monaten erscheint kurz. Ob man Talent in diesem Alter erkennen kann, sehr umstritten.
  2)    Die zusätzliche Trainingseinheit wochentags erschwert sonstige sportliche Aktivitäten.
  3)    Das Kontaktkonzept Trainer – Eltern/Spieler – Verein überzeugt nicht. Die offene Aufklärung der Eltern über Chancen und Wahrscheinlichkeiten erfolgt zu spät. Die Reihenfolge Verein – Trainer – Eltern/Spieler wäre wünschenswert.
  4)    Beim Vereinswechsel in der U11 bleibt der Stammverein bei etwaigen späteren Transferbeteiligungen ausgeschlossen. Dazu müsste der Wechsel erst in der U12 erfolgen. Hier wäre der DFB gefordert nachzubessern, da in der U12 die Stützpunkttrainings starten.

Fazit: Das Konzept Förderkader des FC Bayern ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht mehr. Viele der negativen Effekte des Kleinfeldscoutings werden unterbunden oder zumindest gemildert. Dennoch bleiben Probleme, die es vor einer Entscheidung für oder gegen den Förderkader zu bedenken gilt.

Michael Franke

Michael Franke

Michael Franke ist Erster Vorsitzender der FT München-Gern. 2018 hat er die Interessengemeinschaft Sport in München mitgegründet.

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